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Pfarre Hartmannsdorf

Pfarrgeschichte

Für das Entstehen von Hartmannsdorf maßgebend war die Erbauung der Riegersburg 1138 unter Rüdiger von Hohenberg. Ein Hartmann, Ritter der Riegersburg, wird mit Recht als Gründer des Dorfes Hartmannsdorf angesehen werden können, ebenso wie ein Otto Ottendorf gründete. Die erste kirchliche Mittelpunkt war die alte Pfarre Riegersburg, die bis zur ungarischen Grenze reichte und von der dann mit Zunahme der Bevölkerung neue Pfarren errichtet wurden.

Hartmannsdorf hieß bis 1922 „Windisch-Hartmannsdorf“. Das weist darauf hin, dass die im 12. Jahrhundert eingewanderten deutschen Siedler Reste jener dünnen slawischen Bevölkerung vorgefunden haben, die sich nur in versteckter Randlage halten konnten, während sie in den Haupteinfallsräumen von den wiederholten Ungarneinfällen des 9. bis 11. Jahrhunderts aufgerieben worden sind. Hier jedoch erscheinen im 12. Jahrhundert sogar noch Reste einer Straße oder eines Verbindungsweges vorhanden gewesen zu sein, nach denen die Dörfer ausgerichtet wurden. So setzte auch die deutsche Besiedelung im Herrschaftsgebiet der Riegersburg im Rittscheintal zuerst ein, wobei Hartmannsdorf im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts als Straßendorf längs des alten Verbindungsweges durch das Rittscheintal neu gegründet worden ist. Der alte Name Windisch-Hartmannsdorf bedeutet also nicht ein windisches Dorf, sondern vielmehr eine deutsche Siedlung im windischen Gebiet, was auch durch die regelmäßige Straßendorfanlage und die Hofform (Drei- und Vierseithöfe), aber auch die Flurformen erhärtet ist.

Hartmannsdorf ist seit Beginn des 13. Jahrhunderts Sitz einer bedeutenden Pfarre, ihre erstmalige Nennung erfolgte im Jahre 1232, worauf sie sehr rasch als Pfarrort die andern Orte des Rittscheintales überflügelte.

Geschichte der Pfarrkirche

Die Pfarrkirche weist verschiedene Bauzeiten auf. Der gegen Osten errichtete Altarraum wird durch gotische Strebepfeiler gestützt. Im 15. und 18. Jahrhundert erfolgten die weiteren Um- und Zubauten. Der so harmonisch wirkende Aufgang zum Sängerchor wurde erst 1936 erbaut, einst war der Aufgang innen, und bis 1936 musste eine außen angebrachte Holzstiege genügen.

Das Gotteshaus trägt den Namen der hl. Radegunde, eine fränkischen Königin und späteren Äbtissin. Sie war die Tochter eines thüringischen Königs und wurde mit König Chlothar vermählt. Da die Ehe kinderlos blieb, erlaubte ihr Gemahl, dass sie sich besonders den Werken der Glaubensausbreitung und der Nächstenliebe widmete. Sie starb im Jahre 590 im Kloster zu Tours und wurde vom hl. Gregor, Bischof von Tours, zur Erde bestattet. Warum die Erbauer unserer Pfarrkirche eine fränkische Heilige zur Patronin erwählten, wissen wir nicht mehr. Die Annahme, dass mit den Bayern auch fränkische Siedler herkamen, ist jedenfalls naheliegend.

Bemerkenswert sind zwei in die äußere Kirchenmauer eingemauerte Steine, die sicher Gewölbeschlusssteine eines früheren Kirchbaues sind und nach dem Umbau dorthin gebracht wurden. Der eine zeigt eine sich aufbäumende Schlange, welche als Sinnbild für das sterbende Heidentum gedeutet wird. Auf dem anderen sehen wir das siegreiche Gotteslamm, dargestellt mit einer schwer deutbaren Jahreszahl, die 1220 oder 1550 heißen kann. Der Turm weist drei Baustile auf, ist unten romanisch, in der Mitte gotisch und oben renaissanceartig. Außer den Meldungen über Vergrößerungsbauten haben wir in der mehr als 700-jährigen Geschichte unserer Pfarre wenig stichhältige Nachrichten. 1885 wurde der alte Hochaltar durch den jetzigen ersetzt und von Bischof Zwerger geweiht. Im Altartisch sind Reliquien der Heiligen Eutropius, Barbara und Urbana enthalten. Das Titelbild stammt von Kurz-Goldstein aus Graz. 1890 kamen die zwei neuen Seitenaltäre hinein. Schade ist, dass die alten Altäre verloren gingen. Erhalten blieben nur die zwei Apostelstatuen, Petrus und Paulus, die, 1963 restauriert, wieder zum Hochaltar dazugestellt wurden.

1901 wurde um den Preis von 3325 Gulden die jetzige Orgel von Math. Mauracher gebaut. Eine sehr glückliche und gelungene Außenrenovierung der Pfarrkirche erfolgte 1936. 1956 erhielt die Kirche neue Bänke und eine neue Beleuchtung. Bereits 1969 erhielt die Kirche ihren "Volksaltar". 1977 erfolgte der Abschluss der Innenrenovierung und zwei Jahre später beginnt die Außenrenovierung.

Geschichte der Seelsorge

Der 1. September 2001 war zweifelsohne ein einschneidendes Datum in der Geschichte der Seelsorge der Pfarre Hartmannsdorf. Mit diesem Tag nämlich wird der Pfarrverband Gleisdorf - Hartmannsdorf - Sinabelkirchen begründet. Die Verantwortung in der Seelsorge übernahm damit Pfarrer Mag. Alois Kowald, der gleichzeitig Pfarrer von Gleisdorf, Hartmannsdorf und Sinabelkirchen ist.

33 Jahre, nämlich von 1968 bis 2001 war GR Albert Reicht Pfarrer von Hartmannsdorf; er ist am 28. März 2009 im 78. Lebensjahr verstorben. In seiner Amtszeit durfte er drei Mal Primiz feiern: 1960 mit Ferdinand Kochauf (Pfarrer in Judenburg-St. Magdalena), 1992 mit P. Wolfgang Frühwirth und 1995 mit Mag. Stefan Ulz (Spiritual im Bischöflichen Seminar und im Priesterseminar in Graz).